Geschichtliches zu Waldkirch und Winterbach
Waldkirch
Erfreulich ist, dass Waldkirch seine Vergangenheit durch archäologische Funde im Ort und in der Umgebung
belegen kann.
In den 60er Jahren wurden vom dem damaligen Schullehrer Hr. Mayer Funde auf dem Flurstück "Rommelhof"
nähe Waldkirch geborgen. Es handelte sich dabei, neben Bronzenadeln (Große Nadeln die dazu dienten
die Gewänder zusammen zu halten), Bronzearmreif, Anhänger, um Scherben von Tongefäßen in denen der
Leichenbrand bestattet wurde. Diese sogenannten Urnengräber stammen aus der mittleren bis späten
Bronzezeit (2000 - 1200 v. Chr.).

Römische Tongefäße, wie sie in den Töpfereien in
Günzburg und Faimingen bei Gundelfingen gefertigt wurden. Scherben dieser Gefäße
wurden in Waldkirch gefunden.
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Römische Siedlungsfunde im Ort und außerhalb verweisen auf eine uralte Siedlungstradition. So konnte
Hr. Mayer im Ort in der heutigen Unterdorfstraße Scherben, Schlackenresten und Eisennägel bergen,
die auf eine Siedlung bzw. einen römischen Gutshof (villa rustica) hinweisen. Letzteres wäre
naheliegend, da das röm. Kastell in Gundremmingen (Pinianis) sicherlich Verpflegung aus dem Hinterland
benötigte. Zudem konnte ich selber bei einer Flurbegehung westl. von Waldkirch Keramikreste und Bronzen
(eine Zierscheibe und das Fragment einer römischen Gewandspange (Fibel)) aus dem 1.-2. Jh. nach Chr.
bergen und damit erneut die römische Vergangenheit Waldkirchs nachweisen.

Waldkirch und Winterbach auf einer Karte der Markgrafschaft Burgau um 1725
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Im Spätmittelalter sind Herren von Waldkirch als Ortsherren und Lehensträger der Grafen von Kirchberg
nachgewiesen, ebenso die Herren von Scheppach (vor 1370), von Villenbach (ab 1370), von Hasberg (ab 1450),
dann die Argon/Räm (ab 1467), die Herren von Steinheim (ab 1470), und vom Stain (ab 1498). Erst der
Übergang an die Herren von Freyberg 1511 verschonte den Ort vor künftigem Herrschaftswechsel. Von einer
kurzzeitigen Verpfändung abgesehen, bleibt der Ort unter der Herrschaft der Freyberg bis in die
bayerische Zeit.
Pfarr- und Wallfahrtskirche zur schmerzhaften Muttergottes, 1745. Fresken von Anton Enderle 1745.
Erhörung der Hilfesuchenden (Chor), Kirchweihe durch Maria (Schiff). Hervorragender Hochaltar mit
Plastiken von J.M. Fischer, Dillingen.
Spätgotisches Vesperbild als Gnadenbild am linken Seitenaltar.
Feldkapelle Frauenbrunn von 1838 auf älterer Grundlage.
Pfarrhof mit Rokoko-Fassadenmalerei.
Winterbach
Schon im 11. und 12. Jahrhundert wird der Ort urkundlich erwähnt. Der Ortsadel, Herren von Winterbach,
saß auf dem Schlossberg nahe beim Ort. Winterbach = Wintirbach, der Name stammt wohl von dem Bach der
bei Winterbach in die Glött mündet (heute Wallerbach). Der erste urkundlich erwähnte Vogt war Isanger
von Winterbach ein waffengeübter (Einfälle der Ungarn im 10 Jh.) Adeliger. Sein Name lebt bis heute in
der Bezeichnung des Eisinger Hofes weiter. Die Herren von Kaltenburg besitzen im Spätmittelalter bis
1421 den Großteil des Ortes, dann wechselt der Besitz über zu den Herren von Westernach, Hasberg, und
Vetzer. 1439 geht er an die Argon/Egen, diese werden durch die Hirnkoven abgelöst, die ihren Besitz
1533 an die Fugger von Glött verkaufen.
1541 erwerben die Fugger alten Teilbesitz im Ort vom Kloster Fultenbach. Daneben bleibt in Winterbach
das Domkapitel Augsburg begütert, das seine Teilbesitz 1412 von den Marschällen von Biberach erwirbt.
Die Pfarrkirche ist den Kemptener Schutzheiligen St. Gordianus und St. Epimachus geweiht. Man darf so
eine enge Beziehungen zu Kempten annehmen (Kirchengründung in Winterbach um 912 ?, diese Vermutung
stützt sich nach Weigele auf die Tatsache, dass die Bendektinermönche von Kempten Rodungsarbeiten im
oberen Glöttal durchführten). Darauf verweist auch, dass die Fugger 1621 Dorf und Schloss Winterbach
lehensrechtlich dem Stift Kempten unterstellen.
Die Kirche
Kirche St. Gordianus und Epimachus. Neugotischer Sichtziegelbau von 1885 mit gleichzeitiger Ausstattung.
Spätgotische Madonna am linken Seitenaltar. Pfarrhof spätes 18. Jh.
Der Burgstall

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Der Burgstall vom Schlossberg bei Winterbach erhebt sich als Kegel, ringsum von einem zweifachen Kranz
von Wall und Graben gesichert, auf einem ins Glött-tal hineinreichenden Geländesporn.
Der Zugang scheint von der Höhe hergeführt zu haben und führt in zwei Vorhöfe. Man kann sie durch die
zusammenhängende Wehr- und Burgeinteilung als Abschnittsburg bezeichnen. Ein Kaufvertrag von 1533
erwähnt unter anderem einen Burgstall bei Winterbach, um diese Zeit dürfte die Burg also schon
abgetragen sein. Dies wäre auch nicht verwunderlich da im 15. Jahrhundert ein großes "Burgensterben"
eintrat. Grund dafür war das Aufkommen von Feuerwaffen. Es war nun ein leichtes die Burgen zu brechen,
so fielen gerade in unserem Landkreis ein Großteil der Burgen bereits im 14. Jahrhundert den
Auseinandersetzungen zwischen den Wittelsbachern und den Habsburgern zum Opfer. Die Baumaterialen
der Ruinen, zur damaligen Zeit sehr wertvoll, wurden meist bis auf den letzten Stein abgetragen und
andersweitig verbaut.
Beispiele für Geldarten die in unserer Gegend Verwendung fanden
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Goldmünzen der Kelten, sog. Regenbogenschüsselchen, 2. Jahrhundert vor Christus.
Ein solcher Stater wurde 1787 auf dem sog. Eichbrunnen bei Gundremmingen gefunden (Kellner,
keltischen Fundmünzen aus Südbayern).
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Römische Silberdenare von Kaiser Augustus und Tiberius. Beide Stücke wurde in der
Nähe von Aislingen gefunden, dort befand sich ein frühkaiserliches Kastell.
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Münze, sogenannter Brakteat (einseitig geprägtes Silberblech). Die Münze stellt Kaiser
Heinrich VI (1190 -1196 nach Christus) und Konstanze von Sizilien dar und könnte eine Prägung
anlässlich ihrer Hochzeit auf dem Lechfeld bei Augsburg sein. Dieses Stück wurde im Aschberg
bei Aislingen gefunden.
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Taler, geprägt 1639 in Augsburg.
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Taler der Markgrafschaft Burgau, geprägt 1766 in der habsburgischen Münzstätte
in Günzburg.
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von Volker Heinrich
Quellen:
Der Landkreis Günzburg, 1966, Anton H. Konrad Verlag Weißenhorn;
F. Reißenauer, J. Weizenegger, Anton H. Konrad;
Auf schwäbischem Boden - Beiträgezur Heimatgeschichte, Günzburg 1925, Eugen Ganzenmüller
Ortsgeschichtliche Aufzeichnungen von Winterbach, Max Weigele
Das Bistum Augsburg, Heft 14, Augsburg 1895, Dr. A. von Steichele
Text, Bilder: Volker Heinrich; © Copyright by